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Eröffnungsrede
zur Ausstellung
SCHUTZ
GEFUNDEN Dokumentation zum Hochbunker mit Skulpturen von
Hermann
Bigelmayr
am
Montag, 16. April 2007, 19 Uhr
von
Anette Frankenberger
Sehr
geehrte Damen und Herren, liebe
Gäste des Kunstbunker,
ich
begrüße Sie sehr herzlich zu unserer Ausstellung „SCHUTZ GEFUNDEN“ und freue
mich sehr, dass Sie sich so zahlreich – trotz der sommerlichen Temperaturen
draußen – in den kühlen Bunkerräumen eingefunden haben.
Eine
Dokumentation zu einem Hochbunker – dies als Thema einer Ausstellung mag
manchen verwundern. Hat doch jeder von uns eine ungefähre Vorstellung von dem,
was ein Bunker ist: Ein Schutzraum für Menschen in Kriegszeiten. Manche von Ihnen
werden vielleicht auch noch reißerische Schlagzeilen aus der Presse vom
„Führerbunker“ im Kopf haben, wenn sie an Bunker denken. Was aber gibt es noch
über einen Bunker zu sagen?
Je
eingehender wir uns mit dem Archivmaterial und dem Nachlaß des Architekten
Fritz Norkauer beschäftigt haben, desto mehr wurde uns bewußt, dass dieses
Ausstellungsprojekt weit mehr ist als die Darstellung zu meterdicken
Betonwänden und ungemütlichen Innenräumen.
Der
Bunker erzählt ein Kapitel Münchner Architekturgeschichte, ein Stück
nationalsozialistischer Ideologie. Der Hochbunker, gebaut 1942, ist nicht nur
Ausdruck der Verzweiflung der Menschen, sich vor den Folgen eines Krieges zu
schützen, den dieses Land selbst verursacht hat, er ist auch Ausdruck des
speziellen Verhältnisses Münchens zum Nationalsozialismus, zu seiner eigenen
„braunen Vergangenheit“. Der Bunker an der Prinzregentenstraße ist ein Baustein
in der Bautätigkeit der Nationalsozialisten, die heute offensichtlich nur an
wenigen Bauwerken sichtbar ist, versteckt aber an vielen Stellen in München zu
finden ist.
Unsere
Dokumentation zu dem Bunker sollte aber nicht abstrakt bleiben, nicht leblos
sein. Wir möchten auch sichtbar machen, was die Menschen, die diese Zeit selbst
erlebt haben, mit dem Bunker verbinden. In unserem Zeitzeugenprojekt kommen die
Menschen zu Wort, die Schutz in Bunkern gesucht haben. Ihre sehr persönlichen
Schilderungen erfüllen den Bunker mit Leben, lassen dieses steinerne Zeugnis
einer bedrückenden Vergangenheit lebendig werden.
Es
geht aber nicht nur um das Gestern, um die Vergangenheit. Heute ist der
Hochbunker eine Ausstellungsinstitution. Seit 1993 präsentiert der KUNSTBUNKER
TUMULKA Ausstellungen zur zeitgenössischen Kunst, ist Plattform für
experimentelle Gegenwartskunst. Damit hat der Bunker eine Umwidmung erfahren,
die kontrastreicher nicht ausfallen könnte:
Denn
es waren gerade die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten künstlerischer Arbeit,
die von den Nationalsozialisten mit Gewalt unterdrückt wurden. Die fatalen
Folgen lassen sich ablesen an den zahlreichen Einzelschicksalen der Verfolgten,
aber auch an der Entwicklung der modernen Kunst im 20. Jahrhundert, die in
Deutschland mit der Machtergreifung Adolf Hitlers zunächst jäh abriß.
Die
Werke des Münchner Bildhauers Hermann Bigelmayr, die wir in der Ausstellung „SCHUTZ
GEFUNDEN“ sehen, treten in Dialog mit dem Bunker. Seine Skulpturen aus
jahrhundertealten heimischen Hölzern stehen in einem ausdrucksstarken Kontrast
zu dem abweisenden Bau. Die leuchtende Farbkraft und die organischen Strukturen
seiner Halmskulpturen und seiner „Rosenblätter“ durchbrechen die
Geschlossenheit des Baus, scheinen den Beton von innen zu durchdringen und zu
sprengen. Hermann Bigelmayr setzt mit der visionären Kraft seiner gleichsam
wachsenden und sich ausbreitenden Skulpturen einen Kontrapunkt gegen ein
militärisches Machtinstrument.
Die
Installation „Sich aufrichtender Grashalm“ im Außenraum des KUNSTBUNKER TUMULKA
ist ein Leitmotiv seiner künstlerischen Arbeit. Die Halmskulptur mit einer Höhe
von rund sechs Metern stellt den Hochbunker in Bezug zu seiner Umwelt. Das
Absterben und Vergehen, ebenso aber auch das gleichzeitige Aufrichten der Natur
ist ablesbar.
Der
Grashalm als Symbol für das Zarte und Zerbrechliche erhält durch das massive
Eichenholz seine elementare Kraft. Die leuchtend grüne Farbgebung unterstreicht
diese innere Energie, die immer wieder neue Hoffnung auf Werden und Entstehen
in der Natur.
Mit
dem „FeldZug“ füllt sich der gesamte Raum im ersten Stock des Bunkers. Es wird
das Gefühl vermittelt, nicht mehr hineinzudürfen, keinen Platz mehr im Raum zu
finden. Nur an der Wand bleibt ein schmaler Gang, um an den „FeldZug“ näher
heranzutreten. Das Gefühl der Enge und der intensiven Nähe weckt Erinnerungen
an die Menschen, die hier einmal Schutz vor Tod und Zerstörung gesucht haben.
Der
„FeldZug“ nimmt Stellung, formuliert eine Beziehung zu dem umgebenden Raum. Die
Halme, schmale, zerbrechliche Gestalten, reduzieren die existentielle Bedrohung
auf kleinsten Raum. Der „FeldZug“ greift die Ambivalenz im Bunker auf: Fest
verbunden mit dem Betonboden erwachsen zarte organische Strukturen, verbiegen
sich, schaffen sich ihren eigenen Raum, zeigen Individualität.
Im
zweiten Stock des Bunkers steht der Betrachter den Skulpturen von Hermann Bigelmayr
gegenüber und wird Teil dessen künstlerischer Arbeit:
In
dem weißen Raum mit der Lichtinstallation (im Jahr 2004 angekauft) ist nun auch
Hermann Bigelmayrs „Installation mit zwei schwarzen und einem grünen Halm“ zu
sehen. Die Halmskulpturen treten in Bezug zu dem Raum, greifen die künstlich
geschaffene Transparenz durch die Lichtinstallation in gelungener Weise auf.
Mit
der Rauminstallation „Grüner Raum mit grünem Halm“ gelingt Hermann Bigelmayr
der letzte Schritt zur Abstraktion seiner Raumskulpturen: Betritt der Besucher
das kleine, beengte Kabinett findet er sich ganz umgeben von einem kräftigen
künstlich-giftigen Grün wieder. In der Mitte des Raumes behauptet sich der
„grüne Halm“ (Höhe 83 cm).
Im
sechsten Stock des Bunkers ist Hermann Bigelmayrs „Installation mit
Rosenblättern“ zu sehen – Symbole für Liebe und Sinnlichkeit sowie Zeichen der
Fruchtbarkeit und Hoffnung.
Die
Rosenblätter aus Holz sind von beiden Seiten sehr dünn ausgearbeitet und
leuchtend rot koloriert. Sie strahlen in einem tiefschwarzen Raum Harmonie,
Ruhe und Geborgenheit aus.
Die
Grenzen des Wachstums, des Glücks und der Erotik liegen hier – „noch schöner,
noch größer, noch besser“ könnte der Titel auch lauten.
Die
Arbeiten Hermann Bigelmayrs sind eine Suche nach den elementaren Kräften der
Natur. Sie verändern den Raum, sie schaffen eine Auseinandersetzung mit der
Umwelt, in der letztlich auch der Mensch seine Position einnimmt.
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