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Kunstbunker Tumulka                    Presse                        17. April bis 3. Juni 2007

Prinzregentenstr. 97a München  

Öffnungszeiten: Dienstag 14-18 Uhr, Samstag + Sonntag 15-18 Uhr und nach Vereinbarung
Tel. 089 - 45 555 541   www.kunstbunker-tumulka.de
Einladungskarte
Einladungskarte Text

Eröffnungsrede zur Ausstellung

SCHUTZ GEFUNDEN Dokumentation zum Hochbunker mit Skulpturen von

Hermann Bigelmayr

am Montag, 16. April 2007, 19 Uhr

von Anette Frankenberger

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste des Kunstbunker,

ich begrüße Sie sehr herzlich zu unserer Ausstellung „SCHUTZ GEFUNDEN“ und freue mich sehr, dass Sie sich so zahlreich – trotz der sommerlichen Temperaturen draußen – in den kühlen Bunkerräumen eingefunden haben. 

Eine Dokumentation zu einem Hochbunker – dies als Thema einer Ausstellung mag manchen verwundern. Hat doch jeder von uns eine ungefähre Vorstellung von dem, was ein Bunker ist: Ein Schutzraum für Menschen in Kriegszeiten. Manche von Ihnen werden vielleicht auch noch reißerische Schlagzeilen aus der Presse vom „Führerbunker“ im Kopf haben, wenn sie an Bunker denken. Was aber gibt es noch über einen Bunker zu sagen?

Je eingehender wir uns mit dem Archivmaterial und dem Nachlaß des Architekten Fritz Norkauer beschäftigt haben, desto mehr wurde uns bewußt, dass dieses Ausstellungsprojekt weit mehr ist als die Darstellung zu meterdicken Betonwänden und ungemütlichen Innenräumen.  

Der Bunker erzählt ein Kapitel Münchner Architekturgeschichte, ein Stück nationalsozialistischer Ideologie. Der Hochbunker, gebaut 1942, ist nicht nur Ausdruck der Verzweiflung der Menschen, sich vor den Folgen eines Krieges zu schützen, den dieses Land selbst verursacht hat, er ist auch Ausdruck des speziellen Verhältnisses Münchens zum Nationalsozialismus, zu seiner eigenen „braunen Vergangenheit“. Der Bunker an der Prinzregentenstraße ist ein Baustein in der Bautätigkeit der Nationalsozialisten, die heute offensichtlich nur an wenigen Bauwerken sichtbar ist, versteckt aber an vielen Stellen in München zu finden ist.

Unsere Dokumentation zu dem Bunker sollte aber nicht abstrakt bleiben, nicht leblos sein. Wir möchten auch sichtbar machen, was die Menschen, die diese Zeit selbst erlebt haben, mit dem Bunker verbinden. In unserem Zeitzeugenprojekt kommen die Menschen zu Wort, die Schutz in Bunkern gesucht haben. Ihre sehr persönlichen Schilderungen erfüllen den Bunker mit Leben, lassen dieses steinerne Zeugnis einer bedrückenden Vergangenheit lebendig werden. 

Es geht aber nicht nur um das Gestern, um die Vergangenheit. Heute ist der Hochbunker eine Ausstellungsinstitution. Seit 1993 präsentiert der KUNSTBUNKER TUMULKA Ausstellungen zur zeitgenössischen Kunst, ist Plattform für experimentelle Gegenwartskunst. Damit hat der Bunker eine Umwidmung erfahren, die kontrastreicher nicht ausfallen könnte:

Denn es waren gerade die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten künstlerischer Arbeit, die von den Nationalsozialisten mit Gewalt unterdrückt wurden. Die fatalen Folgen lassen sich ablesen an den zahlreichen Einzelschicksalen der Verfolgten, aber auch an der Entwicklung der modernen Kunst im 20. Jahrhundert, die in Deutschland mit der Machtergreifung Adolf Hitlers zunächst jäh abriß.  

Die Werke des Münchner Bildhauers Hermann Bigelmayr, die wir in der Ausstellung „SCHUTZ GEFUNDEN“ sehen, treten in Dialog mit dem Bunker. Seine Skulpturen aus jahrhundertealten heimischen Hölzern stehen in einem ausdrucksstarken Kontrast zu dem abweisenden Bau. Die leuchtende Farbkraft und die organischen Strukturen seiner Halmskulpturen und seiner „Rosenblätter“ durchbrechen die Geschlossenheit des Baus, scheinen den Beton von innen zu durchdringen und zu sprengen. Hermann Bigelmayr setzt mit der visionären Kraft seiner gleichsam wachsenden und sich ausbreitenden Skulpturen einen Kontrapunkt gegen ein militärisches Machtinstrument.

Die Installation „Sich aufrichtender Grashalm“ im Außenraum des KUNSTBUNKER TUMULKA ist ein Leitmotiv seiner künstlerischen Arbeit. Die Halmskulptur mit einer Höhe von rund sechs Metern stellt den Hochbunker in Bezug zu seiner Umwelt. Das Absterben und Vergehen, ebenso aber auch das gleichzeitige Aufrichten der Natur ist ablesbar.  

Der Grashalm als Symbol für das Zarte und Zerbrechliche erhält durch das massive Eichenholz seine elementare Kraft. Die leuchtend grüne Farbgebung unterstreicht diese innere Energie, die immer wieder neue Hoffnung auf Werden und Entstehen in der Natur.  

Mit dem „FeldZug“ füllt sich der gesamte Raum im ersten Stock des Bunkers. Es wird das Gefühl vermittelt, nicht mehr hineinzudürfen, keinen Platz mehr im Raum zu finden. Nur an der Wand bleibt ein schmaler Gang, um an den „FeldZug“ näher heranzutreten. Das Gefühl der Enge und der intensiven Nähe weckt Erinnerungen an die Menschen, die hier einmal Schutz vor Tod und Zerstörung gesucht haben. 

Der „FeldZug“ nimmt Stellung, formuliert eine Beziehung zu dem umgebenden Raum. Die Halme, schmale, zerbrechliche Gestalten, reduzieren die existentielle Bedrohung auf kleinsten Raum. Der „FeldZug“ greift die Ambivalenz im Bunker auf: Fest verbunden mit dem Betonboden erwachsen zarte organische Strukturen, verbiegen sich, schaffen sich ihren eigenen Raum, zeigen Individualität.

Im zweiten Stock des Bunkers steht der Betrachter den Skulpturen von Hermann Bigelmayr gegenüber und wird Teil dessen künstlerischer Arbeit:

In dem weißen Raum mit der Lichtinstallation (im Jahr 2004 angekauft) ist nun auch Hermann Bigelmayrs „Installation mit zwei schwarzen und einem grünen Halm“ zu sehen. Die Halmskulpturen treten in Bezug zu dem Raum, greifen die künstlich geschaffene Transparenz durch die Lichtinstallation in gelungener Weise auf.

Mit der Rauminstallation „Grüner Raum mit grünem Halm“ gelingt Hermann Bigelmayr der letzte Schritt zur Abstraktion seiner Raumskulpturen: Betritt der Besucher das kleine, beengte Kabinett findet er sich ganz umgeben von einem kräftigen künstlich-giftigen Grün wieder. In der Mitte des Raumes behauptet sich der „grüne Halm“ (Höhe 83 cm). 

Im sechsten Stock des Bunkers ist Hermann Bigelmayrs „Installation mit Rosenblättern“ zu sehen – Symbole für Liebe und Sinnlichkeit sowie Zeichen der Fruchtbarkeit und Hoffnung.

Die Rosenblätter aus Holz sind von beiden Seiten sehr dünn ausgearbeitet und leuchtend rot koloriert. Sie strahlen in einem tiefschwarzen Raum Harmonie, Ruhe und Geborgenheit aus. 

Die Grenzen des Wachstums, des Glücks und der Erotik liegen hier – „noch schöner, noch größer, noch besser“ könnte der Titel auch lauten.

Die Arbeiten Hermann Bigelmayrs sind eine Suche nach den elementaren Kräften der Natur. Sie verändern den Raum, sie schaffen eine Auseinandersetzung mit der Umwelt, in der letztlich auch der Mensch seine Position einnimmt.