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Seerosenpreis 2010 im Kunstpavillon München
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Kunstpavillon Bigelmayr Seerosenpreis
Kunstpavillon Bigelmayr Seerosenpreis Grasbausteine
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Bigelmayr Grashalme
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Kunstpavillon Seerosenpreis München zeichnet Hermann Bigelmayr aus

Bildende Kunst 52-jähriger Bildhauer aus Freihalden erhält traditionsreichen Seerosenpreis der Landeshauptstadt

München/Freihalden Der aus Freihalden stammende Bildhauer Hermann Bigelmayr ist in München, wo er studiert hat und seither wohnt, mit dem traditionsreichen Seerosenpreis ausgezeichnet worden. Der 52-Jährige erhielt die insgesamt mit 4000 Euro dotierte Auszeichnung zusammen mit seiner Künstlerkollegin Dorothea Frigo bei einer Feierstunde im Kunstpavillon Alter Botanischer Garten in München. Vor rund 200 Besuchern aus der Münchner Kunstszene überreichte der Kulturreferent der Landeshauptstadt, Dr. Hans-Georg Küppers, die zugehörigen Urkunden.

Der Seerosenpreis (siehe Wortweiser) gilt dem bisherigen Gesamtwerk Hermann Bigelmayrs, aber auch seinem kunstpädagogischen Wirken. Sein Markenzeichen sind Aufsehen erregende Großplastiken, die in der Mehrzahl überdimensionale Getreide- oder Grashalme darstellen. Seit 20 Jahren schafft er sie in einem vormals bäuerlichen Anwesen in Freihalden, das er zu seinem Atelier umgebaut hat.

Laudatorin Professor Dorothea Reese-Heim hob Bigelmayrs künstlerische, aber auch handwerkliche Meisterschaft hervor. Deren Grundlagen legten von 1973 bis 1976 eine profunde Ausbildung an der Berufsfachschule für Holzbildhauer in Oberammergau und ein anschließendes sechsjähriges Studium an der Kunstakademie München, das Bigelmayr 1982 im Alter von 24 Jahren als Meisterschüler von Professor Hans Ladner mit dem Bildhauer-Diplom abschloss. (bj)

Wortweiser: Seerosenpreis

Der Seerosenpreis ist eine Auszeichnung, die 1962 unter anderem der damalige Münchner Oberbürgermeister Dr. Hans-Jochen Vogel im Schwabinger Künstlerlokal „Seerose“ aus der Taufe gehoben hat und seither jährlich an verdiente Künstlerinnen und Künstler aus München vergeben wird. Die Träger des von der Stadt München gestifteten Preises werden von einer Jury bestimmt, die ausschließlich aus einheimischen Künstlern besteht. (bj)  

Vortragsmanuskript zur Verleihung des Seerosenpreises 2010 der Stadt München von Prof. Dorothea Reese-Heim am 05.August 2010
Begrüßung

Heute wird der SEEROSENPREIS 2010 der Stadt München hier an diesem geschichtsträchtigen Ort, dem Kunst-Pavillon im alten Botanischen Garten, an
Dorothea Frigo und Hermann Bigelmayr verliehen.
Es ist für sie ein denkwürdiger Tag.

Preise zu verleihen ist immer eine wunderbare Sache.
Warum wird ein Preis verliehen?
Wer hat den Preis initiiert?
Wie wichtig sind Preise?
Wer sind die Preisträger?

Diese Fragen gilt es zu beantworten.
Gerne möchte ich das über eine Laudatio versuchen.

Im Mittelpunkt stehen eine Künstlerin und ein Künstler.
Es ist nicht nur das Werk, sondern die Verknüpfung von Künstler und Werk.

Der Seerosenpreis ist ein Kunstpreis, der für ältere, verdiente Bildende Künstler aus dem Raum München vergeben wird. Die Auszeichnung wurde 1962 auf Initiative des damaligen Oberbürgermeisters Hans-Jochen Vogel und des Malers Hermann Geiseler von der Stadt München gestiftet. Preisträger können auch Künstler sein, die in ihrem Kunstleben eng mit München verbunden sind. Vergebendes Gremium ist der Verein Seerosenkreis.  So steht es in den Statuten. Wichtig ist noch zu erwähnen, dass das ein Preis ist, der von Künstlern für Künstler vergeben wird.

Seit 58 Jahren wird der Preis vergeben und heute geht er an
Dorothea Frigo und Hermann Bigelmayr
 
Sie sind die Nr. 51 und 52 in der langen Liste der schon ausgezeichneten Künstler und Künstlerinnen.

Mit diesem Preis werden zwei Künstler geehrt, die lange Jahre ihrer Leidenschaft nachgegangen sind und Werke von unglaublicher Durchgängigkeit und Dichte geschaffen haben und sicher noch schaffen werden. Jeder für sich hat einen Weg gefunden, seine Ideen und Vorstellungen zu verwirklichen. Beide haben in ganz unterschiedlicher Weise stilistische Entwicklungen vorzuweisen. Sie haben sozusagen ein künstlerisches Brainstorming durchlaufen. Von der Tradition entfernt Ideen entwickelt, Materialien und Techniken neu erfunden. Beide haben sich Wettbewerben gestellt, Aufgaben übernommen, für andere Künstler sich eingesetzt und werden nun heute geehrt.

Dorothea Frigo und Hermann Bigelmayr sind Vertreter der dritten Dimension.
Es interessiert sie Skulptur, Plastik und Installation. Das macht den Werküberblick spannend. Vor allem, wenn diese beiden künstlerischen Ausdruckformen in dieser Ausstellung aufeinander treffen. Es ist ein kleiner Ausschnitt aus ihrem umfangreichen und vielfältigen Schaffen, der hier gezeigt wird.

Es ist das Naturverbundene, dem Wachstum verpflichtende und das Künstliche.
Es ist das Flüchtige der Daten- und Zeitvermittlung, aber auch die Überwindung von Zeit und Raum. Werke die Geschichte schreiben.


Darum wird ihnen heute der Preis verliehen!
Um die Beiden noch etwas genauer vorzustellen, sind Biographien immer eine Fundgrube.      

Dorothea Frigo 1949 in Burk geboren.                

Aus Burk stammt auch Georg Friedrich Christian Bürklein. Ein deutscher Architekt und Schüler von Friedrich von Gärtner. Er baute das Maximilianeum und war verantwortlich für die Maximilianstraße.

Dorothea Frigo absolvierte von 1977 bis 1983 ein Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste München. 1994 erhielt sie dort ein Stipendium, 1995 eines am Goethe-Institut in Hyderabad und 1997 ein weiteres an der Prinzregent-Luitpold-Stiftung in München. Von 2001 bis 2002 war sie Artist in Residence am Goethe-Institut in Jakarta. Sie ist Kuatoriumsmitglied der Stiftung Kunstfonds Bonn und Mitglied der GEDOK München und heute erhält sie den Seerosenpreis der Stadt München..

Ihr Werk umfasst Installationskunst, Objektkunst sowie Kunst am Bau und im öffentlichen Raum. Werke Frigos waren an zahlreichen bedeutenden Ausstellungsorten zu sehen, darunter 1989 am Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn, 1996 in der Staatsgemäldesammlung in München und 2002 in der Großen Kunstausstellung im Haus der Kunst München.
Einige ihrer Werke befinden sich in öffentlichen Sammlungen, darunter in der Bayerischen Staatsgemäldesammlung und in der Sammlung des Forschungs- und Kompetenzzentrums der SKW Trostberg und Degussa. Zu ihren Werken im öffentlichen Raum zählen der Goldene Käfig von 1990 auf dem Kunstpfad der Universität Ulm , 2002 die Glasskulptur, Transparente Linie,  im Innenhof des Goethe-Instituts in Jakarta/ Indonesien und die Installation Lichtgewicht von 2008 im Waaghäusl des Klosters Fürstenfeld.
 

Hermann Bigelmayr  1958 geboren in Jettingen

Auch Jettingen hat eine Berühmtheit. Es ist Dominikus Böhm, ein deutscher Architekt und Kirchenbauer des 20. Jahrhunderts.

Von 1973 bis 1976 besuchte Hermann Bigelmayr die Berufsfachschule für Holzbildhauer in Oberammergau. Danach erfolgte das Studium der Bildhauerei an der Kunstakademie München bei Prof. Hans Ladner von 1976-1982, 1980 wurde er Meisterschüler.1982 schloss er das Studium mit dem Diplom ab.1988-90 war er dann Assistent bei Prof. Hans Ladner. Von 2001 bis heute ist er Dozent und hat Lehraufträge u. a. an der Fachhochschule München im Fachbereich Architektur.
Er erhielt zahlreiche Stipendien, Projektförderungen und Preise: 1980 Studienstiftung des deutschen Volkes, Debütanten-Preis der Bayerischen Staatsregierung, 1982 Stipendium des DAAD für ein Jahr in Paris, 1984 Auslandsstipendium Studienstiftung in Florenz und Förderpreis der Stadt München, 1988 Förderpreis der Bayerischen Staatsregierung sowie zweimal eine Projektförderung.

1998 wurde er mit dem Pasinger Kunstpreis geehrt. Er ist Mitglied der Münchener Secession und heute erhält er den Seerosenpreis der Stadt München

Das ist nur eine Zusammenfassung der sehr bewegten Biographie. Eine Aktion ist zu erwähnen: Den Erwerb und Umbau eines bäuerlichen Anwesens als Atelier in Freihalden 1990, eine architektonische Leistung.

Beide Künstler haben am 20. Februar Geburtstag. Ein hoch auf die Fische. Das sind liebenswürdige und sensible Menschen und die Begabung liegt im künstlerischern. 
Doch für eine Laudatio finde ich es noch spannender, das von der Jury bestimmt wurde, Hermann und Dorothea zu ehren.

Hermann und Dorothea
ein Epos in neun Gesängen von Johann Wolfgang von Goethe.

Der Inhalt des Epos ist nicht so ergiebig für eine Ehrung der Beiden, aber die Gesänge tragen die Namen der antiken griechischen Musen, den Schutzgöttinen der Künste, den Musen in der Kunst. Die Heiligtümer der Musen, die Museen  sind der richtige Ort für die Werke der beiden Künstler.

Mal sehen was die Musen mit Dorothea und Hermann verbindet.

Da ist Klio, die Rühmende,  die Muse der Geschichtsschreibung mit den Attributen: Papierrolle und Schreibgriffel.

Dorothea schreibt GESCHICHTE mit dem Attribut Leichtigkeit und Schwere
Sie schafft Erfahrungsräume, vollzieht Eingriffe in gegebene Örtlichkeiten. Verarbeit Datenmüll, erfindet neue Sinnbilder für das Schwere und das Leichte. 
Dorothea hält den Schreibgriffel in der Hand: Damit bearbeit sie den Datenmüll, 
schafft Säulen der Zeit, kümmert sich um Makulatur und Datenstau und schreibt Geschichte nicht zuletzt mit dem Sinnbild des Federkiels, der Feder und im übertragenen Sinn mit Videobändern.  

Hermann schreibt GESCHICHTE mit dem Attribut der Halme und dem Samenkorn.
Hermann Bigelmayr bearbeitet Holz so dünn wie Papier. Er lotet Grenzen aus in Dimension von Zerbrechlichkeit mit unvorstellbarer Stabilität und Zähigkeit.  Er schafft Oberflächen, die fast vergessen lassen, dass Holz ein Produkt der Natur ist. Das ist das Richtige für Hermann. Holz ist sein Attribut, sein Schreibgriffel. Er ist so der Natur verpflichtet. Vom Samenkorn zur Raumskulptur, vom Halm zum übernatürlichen Wachstum, vom Stuhl zum Tor, vom Kreuzzeichen im Nichts. Das sind Attribute mit denen man Hermann rühmen und preisen kann.   

Zweiter Versuch eine Muse zu bemühen: Kalliope, die mit der schönen Stimm ist die Muse der epischen Dichtung mit dem Attribut der Schreibtafel.

Dorothea’s Schreibtafeln sehen so aus:
Pizza dellàrte Aktion, Spagettigrafiken als rhythmische Reihen, Goldener Käfig für eine Rose auf dem Kunstpfad der Universität Ulm. Oder das Projekt Erdzeit, eine 12 x 12 große Raumarbeit aus Steinkohle mit Klanginstallation des Tones G, dem Erdton.  
Zum einen das grafische Element, zum anderen die Struktur der Fläche.
Der Werkstoff Federn und Ton erheben ihre Stimme und künden von Leichtigkeit. Diese Installationen werden begleitet durch unendlich viele Zeichnungen, Zeichnungen, die beim Tanzen entstehen. Sie werden zum bewegten Körper geschrieben und sind wie epische Gedichte –  im Ablauf und  Rhythmus. Das Zeichenhafte ist wie eine Erzählung über die Bewegung.

Eine ungewöhnliche Welt der Ausdruckformen und der Vielfalt in Material und Technik zeichnet die Arbeiten von Dorothea Frigo aus. Sie versteht zum einen Kunst als Lebensmittel, als Mittel zum Leben, schafft visuelle Dokumentationen, um dann wieder in den Feder- bzw. Tontürmen ihre Stimme zu erheben. Das sind Antworten auf Dichtung und Philosophie im Werk von Dorothea Frigo.

Aber wie sieht Hermanns Schreibtafel aus:
Ein leerer Stuhl, nur einen Steinwurf von Goethes Wohnhaus entfernt, steht am Frauenplan in Weimar die Großplastik „Lehrstuhl - leerer Stuhl“. Eine Skulptur von unglaublicher Wuchtigkeit und Präsenz, nicht nur 20 Tonen schwer, sondern 7.50 m hoch. Ein Zeichen für archaische Kraft vor der Universitätsbibliothek in Weimar. Eine Verbindung der klassischen Wissenschaften – eine Hommage an Goethes: Hermann und Dorothea?

Auch seine  Arbeiten “Kreuz im Nichts“ „Zeichen am Fluss“ „Torbogen“ „Kreuzsäule“ und “Sich aufrichtende Halme“, sind Aufzeichnungen der Grenzen des Wachstums und der Machbarkeit. Vielleicht ist die quadratische Meditationsfläche – blattvergoldet – dann die Antwort auf alle skulpturalen Arbeiten, die je Hermann geschaffen hat als eine Art der Dichtung und der Philosophie mit künstlerischen Mitteln? Dichtung eben ohne Worte.

Die dritte Muse Terpsichore, die fröhlich im Reigen Tanzende, mit dem Attribut der Leier

Das sind Dorotheas tanzende Feder und Tonarbeiten, die sich zwischen Leichtigkeit und Schwere bewegen. Schwerer Ton kann also leicht erscheinen, leichte Federn schwer. Dann sind es die Arbeiten mit Tonbändern: Ariadnes Faden, Nachtprogramm – Videotower, um nur einige zu erwähnen. In die Kreuzverbindungen, Überlagerun
Das sind Dorotheas tanzende Feder und Tonarbeiten, die sich zwischen Leichtigkeit und Schwere bewegen. Schwerer Ton kann also leicht erscheinen, leichte Federn schwer. Dann sind es die Arbeiten mit Tonbändern: Ariadnes Faden, Nachtprogramm – Videotower, um nur einige zu erwähnen. In die Kreuzverbindungen, Überlagerungen und Transmissionen sind sanfte Töne eingeschrieben, die nicht verstummen. Gerade die visuellen Dokumentationen sind ein fröhlicher Reigen und Ausdruck der Chorlyrik, viele Worte sind verstummt, aufgezogen auf Tafeln und nur noch in ihrer Materialästhetik erlebbar. Lesbar nur noch in der Erinnerung. Der Hauch einer Anwesenheit von Worten. Schöner kann Tanz nicht gemeint sein. 

Zu Hermanns Muse Terpsichore fällt mir gleich die Arbeit mit den Halmen ein. Die Grenzen des Wachstums werden aufgezeigt, ein Halm von 30 m Länge vor dem Institut für Umwelt und Gesundheit, gebrochen und doch sich aufrichtend. Tanzend in den Himmel weisend. Luftsprünge, Zeichen von Bewegung und Anmut.
Oder zwei sich aufrichtende Halme über Gefängnisgrenzen hinweg. Oder drei sich aufrichtende Halme in leuchtendem Grün im See von Schloss Blutenburg.

Dann die vielen  Grashalme in den verschiedensten Kunsträumen, wie hier als Formation über Wand und Boden.
Es ist ein Tanz der Leichtigkeit, ein Rhythmus der ewigen Wiederkehr, ein Tanz der leisen Töne man hört den Klang der Leier.  Die Halme stehen für einen neuen Kosmos und stehen für das Verhältnis von Mensch und Natur.

Die vierte Muse Melpomene, die Singende, ist die Muse der Tragödie mit dem Attribut: Schwert oder eine Keule
  
Dorotheas Künstlerleben im Bezug zur Muse Melpomene:
Im Künstlerleben von Dorothea Frigo gibt es auch die Stürme des Lebens.
Abgesehen davon, wie schwierig es ist, als Künstlerin zu überleben und trotzdem seiner inneren Stimme zu folgen, das zeichnet eine Künstlerin mit Leidenschaft und Sendungsbewusstsein aus. Kunst zu machen ist auch eine Kampfansage. Auch sie kann Geschichten erzählen, Geschichten die wiederum ihren Arbeiten Ausdruck verleihen. Der Zyklus Metropolis, aus der Werkgruppe “Türme der Erinnerung“ – den Wesen zwischen Mensch und Natur – ist sie von Anfang an verpflichtet. Ein Zeichen der Wiederkehr, um den Stürmen und Anforderungen des Lebens zu begegnen. 
 

Hermanns Künstlerleben im Bezug zur Muse Melpomene:
Es ist auch der Ort um zurückzublicken zu den vielen Wettbewerben, die ein Künstler zu durchlaufen hat. Viele Beteiligungen, viele kreative Wünsche wurden in Modelle umgesetzt, viele Nächte wurden durchgearbeitet und viele unmögliche Ideen doch umgesetzt. Alleine die Geschichte vom Umbau des Ateliers 1990 in Freihalden um einen Wettbewerb von gigantischem Ausmaß durchführen zu können, ist eine abendfüllende Geschichte und bezeichnend für Hermann. Auch wenn alle sagen, das geht niemals, für ihn geht es. Diese Leidenschaft hat er bestimmt von der Muse Melpomene. Es gibt keine Tragödie, nur eine neue Kraft, um den Unbill der Stürme des Lebens zu begegnen. Dafür steht auch die Arbeit “Das Kreuz im Nichts“. Fünf Tonnen einer Gneisplatte wurden in 9 Meter Höhe aufgerichtet und schweben als Symbol für alle Religionen der Welt über dem Friedhofsgelände.

Fünfte Muse Urania ist die Himmlische mit dem Atttribut der Himmelskugel und Zeigestab

Dorotheas Muse Urania steht für den glücklichen Ausgang. Es sind die Federarbeiten, die flügelleicht sich abheben. Schießbudenfedern, die sonst nur als Trostpreis vergeben werden, verwandelt Dorothea in Flügelobjekte, die den ganzen Raum erfüllen. Es sind Flügelwesen die sich auch zu Trombenformen schließen und wieder zu Pfeilen und Zeigestäben werden, zu Windhosen, die wie Himmelskörper den Raum durchschießen und zu Säulen mutierten. Es sind für sie auch Königsmäntel, wie sie als Zeichen der Macht in urvölkischen Kulturen vorkommen. Himmlische Wesen die der Erdenschwere entkommen. 
Zum anderen sind es die Videowürfel. Sie erscheinen hier wie vom Himmel gefallen. Eine raumbezogene Arbeit, die das Raster der Deckenöffnung und die Proportionen des Raumes aufnehmen und nachzeichnen. Insight/out beschreibt den Raum im Raum. Gleich drei Positionen in wachsenden Größen sind im Pavillon angekommen.

Es sind sehr verschiedene Einblicke, aber auch Durchblicke möglich. Die Daten  überkreuzen sich, bilden Endlosschleifen von Informationen und wie sie sagt:
Der Datenmüll ist in der Zeit angekommen.

Hermanns Bezug zur Muse Urania lässt sich auch herstellen. Ein wesentlicher Faktor in allen  Arbeiten von Hermann sind aufgerichtete Zeichen. Selbst die Samenkörner und Rosenblätter lösen sich aus dem Verbund der Erdenschwere. Wie ein Zeigestab richten sich die Halme auf, wie hier in der Ausstellung zu sehen ist. Es sind die kleinen Ausgaben einer Formation. Im Außenraum recken sich Hermanns Zeichen 6, 8 oder 15 Meter empor. Die Anforderung, eine Skulptur mit 15 Metern aufzurichten, ist beeindruckend und macht den Menschen klein. Weitblick und Offenheit lässt himmlisch-sphärisches erklingen, wenn Hermanns Skulpturen in den Wettstreit mit der Himmelskugel treten.

Es wären noch  vier Musen zu vergeben: Thalia, Euterpe, Erato. Aber mit  Polyhymnia der Hymnenreichen, der Weltbürgerin, wollen wir feien, denn Dorothea und Hermann waren beide als Weltenbürger unterwegs.

Dorothea Frigo 1995 in Hyderabad (Indien) am Goetheinstitut und als Artist in Residence in Indonesien mit Lehraufträgen und Studienaufenthalten. 

Hermann Bigelmayr 1997 war Leiter eines Workshop am Sculpture Projekt in Bagamoyo (Tansania) organisiert vom Goethe Institut Dar er Salaam.

Über 30 Großplastiken hat er geschaffen und unzählbare Ausstellungen bestritten.

Auch Dorothea Frigo hat ungezählte Ausstellungen und Projekte durchgeführt, die Liste ist unendlich lang. Ein Katalogprojekt von Dorothea Frigo mit drei Publikationen, begonnen 1997 erweitert 1999/2010, gibt ausführlich Kunde davon.

Deshalb erhalten sie den Seerosenpreis 2010.                          

Nun wird gefeiert. Es ist ein Moment der Freude und Ehre. Wir alle freuen uns mit Euch, Dorothea und Hermann, die ihr diese Auszeichnung von Künstlern für Künstler erhalten habt. Es sei euch Ansporn und Wertschätzung für euch persönlich.

Wir freuen uns über den Einblick in eure Arbeit, die nun in diesem Raum Zwiesprache halten wird. Ein Feldzug der Halme und ein verstummter vom Himmel gestürzter Tonträger – so genannter stummer Datenmüll. Es wäre interessant zu erfahren was sie sich zu sagen haben und welche Muse, von den Neunen, euch nun küsst.

Prof. Dorothea Reese-Heim